... wir schreiben
              das Jahr 1450

..auf einem Berg, weitab von den Menschen, steht das Kloster

"Il Monastero".

Es ist ein altes Gemäuer - auf den ersten Blick etwas unheimlich - grau und unscheinbar. Umgeben von einer hohen Mauer und einem großen Tor, das fest verschlossen ist für die Aussenwelt.

Dahinter leben die Mönche. Sie arbeiten und beten. Ihre Zellen sind karg eingerichtet, sie sind dunkel, die kleinen Fenster lassen nur wenig Licht herein. Im Zimmer stehen ein Bett, ein Tisch mit einer Kerze, ein Stuhl, ein Schrank. Auf dem Tisch liegt ein Gebetbuch - die Heilige Schrift. An den grauen Wänden hängt ein Kreuz. Es ist ruhig - so ruhig, dass man glaubt es sei niemand im Kloster und dennoch sind die Mönchen da. Es ist Nacht und sie gehen die schmalen Gänge entlang, nur mit einer Kerze in der Hand, zum Gebet in die Kirche. Sie sind gewandet in Kutten und haben die Kapuzen tief ins Gesicht hineingezogen. Der Boden im Gang ist aus altem Gestein, uneben und kalt. Sie gehen langsam, den Kopf zu Boden gesenkt und beten. Kerzenwachs tropft auf den Boden. Sie gehen an der alten Gruft vorbei, wo die verstorbenen Mönche in alten Särgen liegen, bekreuzigen sich und gehen weiter über die Stufen hinauf in die alte Kirche. Es brennen viele Kerzen und ihre Silhouetten werfen große Schatten an die Kirchenwand.

Es wird ganz still in der Kirche, nur am Hauch erkennt man, daß die Mönche atmen, denn es ist kalt in der Kirche. Sie ziehen ihre Kapuzen aus dem Gesicht und sie singen einen Choral. Vor der Kirche, in den Gängen, in den leeren Zellen, überall hört man diesen mystischen Gesang der nachdenklich stimmt. Die Klänge dringen bis in die alte Gruft, man hat das Gefühl, auch hier erwachen die Mönche zum Leben und singen mit. Aber es ist nur das alte Gemäuer, das hallend ein Echo wiedergibt.

Die Mönche beten noch eine Weile, setzen dann wieder ihre Kapuzen auf und verlassen wortlos die Kirche, gehen schweigend die langen Gänge zurück in ihre Zellen und wenn sie dort das Licht löschen, ist alles ganz friedlich und still. Nur der Duft der Kerzen liegt in der Luft.

Jahrhunderte später...

1999 gibt es wieder ein Kloster "Il Monastero". Man fühlt sich zurückversetzt in eine andere Zeit - eine Zeit, die längst vergangen ist, aber dennoch brennen viele Kerzen und der Schatten wirft auch dunkle Schatten an die Wand.

Der Boden ist wie damals aus altem Gestein und auch die Mönche sind da mit ihren Kapuzen.

Und wieder ist das "Il Monastero" ein Ort der Begegnung und man hört ab und an die Mönche noch einen Choral singen, so wie damals in der alten Kirche in der Nacht. Nur eines ist anders geworden, es ist nun ein Ort der Begegnung für alle Menschen, man lacht, trinkt Wein und freut sich des Lebens und denkt vielleicht noch manchmal an das Jahr 1450 zurück, als die Mönche mitten in der Nacht über die langen Gänge in die alte Kirche zum Gebet gegangen sind.